Dienstag, 8. Oktober 2013

Review: "Farewell Tomorrow - EP" von The Golden Rabbit


Hey, ich kenn dich doch!



Man kann die neue EP von The Golden Rabbit als den Soundtrack zu einer langen, durchzechten Nacht sehen. Mit all ihren Aufs und Abs. Schon die erste Zeile vom Eröffnungstrack „Farewell Tomorrow“ weckt Assoziationen, die viele vielleicht kennen: „All the faces that I see/ I'll never see them again“ - wer kennt nicht diese Fortgeh-Bekanntschaften, mit denen man sich blendend versteht und von denen man danach nie wieder etwas hört?




Auch wenn diese Zeile gerade etwas aus dem Kontext gerissen wurde, beschreibt sie sehr treffend das Impulsive, Flüchtige, welches der „Farewell Tomorrow-EP“ zugrunde liegt. Die Emotionen, mit denen der Zuhörer konfrontiert wird, schwanken zwischen enormer Euphorie, tiefster Melancholie und exzessiver Selbstzerstörung. Diese Höhen und Tiefen versucht Sänger Alex auch in seiner Stimme zum Ausdruck zu bringen: Mal hört man ihn auf der „Farewell Tommorrow – EP“ leise flüstern, an anderer Stelle verkündet er hingegen mit kräftiger Stimme „I want to get wasted“. Auf dem, nach Progressive-Rock klingenden, Stück „1984“ kann man ihn sogar screamen hören.

Wenn man so mit den Extremen spielt, wie es The Golden Rabbit tun, begibt man sich leicht in die Gefahr kitschig und vorhersehbar zu werden. Das trifft teilweise auch auf diese Platte zu. Zum Beispiel „Be My Parachute“: Das Lied spielt nicht mit Klischees, es IST ein Pop-Klischee – zu oft hat man schon solche Liebeserklärungen im 3-Minuten-Format gehört, hier haben es The Golden Rabbit mit den großen Emotionen etwas übertrieben. Obwohl die Nummer ganz eingängig klingt, fehlt ihr die Eigenständigkeit. Die Band hätte sich darin versuchen können, ausgefallenere Songstrukturen zu verwenden, wie sie es bei dem Lied „Wasted“ gemacht hat. „Wasted“ kombiniert die unkonventionellen Songstrukturen von Clubmusik mit den leichtfüßigen Melodien von Indie-Pop. Noch mehr Experimente in diese Richtung hätten der EP mehr Charakter gegeben.



Es ist natürlich nichts daran verwerflich, sich von Pop inspirieren zu lassen. Die Kunst liegt aber darin, verschiedene Elemente neu zu kombinieren und sie für sich zu adaptieren. In musikalischer Hinsicht ist das der Band hervorragend gelungen. Die 2012 erschiene Debut-EP von The Golden Rabbit erinnerte noch stark an den Indie-Sound der Nullerjahre à la The Kooks oder Mystical Jets. Auf der neuen „Farewell Tomorrow–EP“ sind neben Schlagzeug, Gitarre und Bass noch Drumcomputer und tanzbare Synthsounds dazugekommen – somit geht das Ganze in eine elektronischere Richtung. Ein gemeinsamer Nenner von Clubmusik und Rock 'n' Roll war schon immer, dass beides ohne den Nachtleben wohl nicht in dieser Form existieren könnte. Somit passt der anfangs erwähnte Vergleich von der „Farewell Tomorrow-EP“ mit einer ausschweifenden Nacht vielleicht ganz gut, es geht hoch und runter wie bei einer Achterbahn, nur irgendwie ist es dann doch jedes Mal das Selbe.

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